Ledger hat eine beruhigende Nachricht: Der Sicherheitschip wurde nicht gehackt. Wer vor einer leeren Wallet sitzt, darf sich jetzt überlegen, wie sehr ihn das freuen soll.

Am 9. Oktober 2026 wurden Menschen, die ihre Geräte beim Händler CryptoBilis gekauft hatten, Kryptowährungen gestohlen. Nach den am 15. Oktober abgerufenen Zahlen von Bitquery betrug der Schaden rund 102 Millionen US-Dollar, verteilt auf 324 Wallets. Das ist die Schätzung der Analysten; Ledger hat sie nicht bestätigt.

Jemand hat den Tresorcode mitgelesen

Am 13. Oktober beschrieb Ledger die in einem betroffenen Gerät gefundene Hardware-Manipulation. Ein zusätzliches Bauteil im Gehäuse las bei der Einrichtung die 24 Wiederherstellungswörter vom Display ab und schickte sie über das Mobilfunknetz an die Angreifer. Der Sicherheitschip, das Betriebssystem des Geräts und die Transaktionssignaturen blieben unangetastet.

Diese Wörter bilden die Seed-Phrase. Bei einer gewöhnlichen Wallet ohne zusätzliche Passphrase reichen sie aus, um den Zugriff auf einem anderen Gerät wiederherzustellen. Der Dieb braucht deinen Ledger dann nicht mehr. Er muss nicht einmal dessen Tasten berühren.

Stell dir einen Tresor mit einem hervorragenden Schloss vor. Jemand versteckt eine Kamera neben der Tastatur und schaut dir bei der Eingabe des Codes zu. Das Schloss besteht sämtliche Prüfungen. Der Inhalt des Tresors weiß diesen Erfolg offenbar nicht zu würdigen.

Gerät echt. Inhalt überraschend.

Ledger bietet eine Echtheitsprüfung für seine Geräte an. In der eigenen Anleitung zur Hardware-Prüfung nennt das Unternehmen deren Grenze: Die Prüfung erkennt keine physischen Veränderungen, einschließlich eingeschleuster Spionagebauteile, solange der ursprüngliche Sicherheitschip intakt ist.

„Ein echter Ledger“ und „Niemand hat im Inneren etwas hinzugefügt“ sind zwei verschiedene Aussagen. Ein Ingenieur versteht den Unterschied. Ein Käufer, der für Sicherheit bezahlt hat und dessen Gerät die Prüfung bestanden hat, bezahlt für diese Erkenntnis womöglich mit seinen gesamten Ersparnissen.

Der nächste Schritt hat eine gewisse Eleganz. Dieselbe Anleitung liefert Fotos, mit denen man das Innenleben selbst prüfen soll, und warnt zugleich davor, das Gerät beim Öffnen zu beschädigen. Du hast eine Wallet gekauft, um dir weniger Gedanken über Sicherheit machen zu müssen. Jetzt hast du einen Grund, Platinen zu studieren.

Die Blackbox hatte Gesellschaft

Die Schuld einfach einem dubiosen Billighändler zuzuschieben, wird hier schwierig: CryptoBilis stand in Ledgers offiziellem Händlerverzeichnis. Wer die Geräte verändert hat und wo das passiert ist, wird noch untersucht.

Hier bekommt das Versprechen vom sorgenfreien Umgang mit Krypto Risse. Der Käufer soll dem Hersteller, dem Händler, dem Transportweg und dem Inhalt der Verpackung vertrauen. Dann stellt sich heraus, dass die Prüfung nur einen Teil der Frage beantwortet. Alles, was sie nicht abdeckt, wird plötzlich zum persönlichen Problem des Käufers.

In diesem Fall mussten die Angreifer nicht einmal die Software des Geräts verändern. Sie bauten ihren eigenen Beobachter ein. In einem echten Gerät war noch Platz für einen Dieb.

Das ist kein bestätigter Hack der Ledger-Live-App und kein Beleg dafür, dass jeder Ledger kompromittiert ist. Im Update vom 14. Oktober erklärte Ledger, bei der Prüfung von Beständen deutscher Einzelhändler und Distributoren seien keine Manipulationen gefunden worden. Die online gezeigten verdächtigen Geräte lagen dem Unternehmen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Das begrenzt die Aussagen über das Ausmaß des Vorfalls. Das bereits gefundene Spionagebauteil verschwindet dadurch nicht.

Was Käufer jetzt tun sollten

Für Kunden von CryptoBilis ist Ledgers Empfehlung eindeutig: Ein noch unbenutztes Gerät nicht einrichten. Wer es bereits benutzt hat, soll sein Guthaben in eine neue Wallet übertragen, die auf einem vertrauenswürdigen Gerät mit einer neuen Seed-Phrase eingerichtet wurde. Die alte Phrase erneut zu verwenden löscht keine Kopie, die der Dieb vielleicht schon besitzt. Gib sie auch nicht auf einer Website ein, die einen „Sicherheitscheck“ verspricht.

Die Karte speichert. Du verschlüsselst.

Wie viel Vertrauen nötig ist, hängt auch davon ab, welche Aufgabe man dem Gerät überträgt.

Eine Karte von Mitilena ist ein Tresor für Daten, die du selbst verschlüsselst. Du wählst ein Passwort, verschlüsselst damit deine Daten und speicherst die verschlüsselten Daten auf der Karte.

Einen Eintrag im üblichen NFC-Format kannst du mit einer gewöhnlichen App wie NFC Tools auslesen. Das Auslesen der Karte entschlüsselt die Daten nicht. Du übernimmst die Verschlüsselung. Die Karte speichert, was du darauf ablegst.